Praxis

Fast alle Psychotherapien, die über Jahre gehen, sind auf 45 Minuten pro Sitzung angelegt. Das - und nicht die Probleme und Krisen der Patienten - ist meist der Grund, warum diese Therapien so lange dauern. Denn 45 Minuten reichen aus, um sich warm zu laufen, sich zu öffnen und nach inneren zu gehen. Doch sie reichen nicht aus, um dort auch anzukommen, sich selbst zu begegnen und sich von dort mitzunehmen. Denn kaum hat man unter dem Stress des Zeitdruck endlich ein offenes Türchen nach innen gefunden, heißt es: „Die Zeit ist um. Wir sehen uns nächste Woche zur gleichen Stunde."

Ein anderer Tag, ein anderer Anlauf, ein anderes Türchen - und immer wieder der gleiche Spruch, der zur Lösungs- und Selbstfindung auf nächste Woche vertröstet. Und sollten wir es doch einmal geschafft haben, schneller zu sein als der große Zeiger, den inneren Raum tatsächlich betreten und mit einer erlösenden Einsicht nach Hause gehen, tun wir es in tiefer Dankbarkeit dem Therapeuten gegenüber, der sich wahrscheinlich fragt, ob wir die Therapie nun möglicherweise eher beenden als ihm lieb ist. Denn wer jahrelang einmal in der Woche zur Psychotherapie geht, tut mehr für den Therapeuten als für sich. Dem Klienten selbst nützt es wenig, sich auf sich einzulassen, wenn ihm immer wieder die Zeit fehlt, zu einem Selbstverständnis zu gelangen, das ihn befähigt, sofort umsetzbare, neue und adäquate Denk- und Handlungsweisen zu erkennen und sich verfügbar zu machen.

Deshalb arbeite ich in meiner Praxis nur im 90 Minuten-Rythmus, der dem Klienten die Ruhe gibt, die er braucht, um möglichst aus jeder Sitzung konkrete Erkenntnissen in sein Alltagsleben mitzunehmen, die es ihm ermöglichen, Schritt für Schritt wieder die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen - und zwar so schnell wie möglich. Denn jeder Klient, der sich freiwillig in Therapie begibt, bringt, da er bei Therapiebeginn meist unter großem Leidensdruck steht, eine überdurchschnittlich hohe Bereitschaft mit, über die Grenzen seiner bisherigen Denkens- und Verhaltensmuster hinauszugehen und Veränderungen zuzulassen und einzugehen.

Die von mir angewandte Therapie nutzt und würdigt sowohl diese akute Bereitschaft des Klienten, als auch seine höhere Intelligenz und seine eigenen inneren Heilungskräfte. Diese zu aktivieren und den Klienten mit seinem wahren Selbst und seinen, nur verdeckten, Fähigkeiten wieder in Kontakt zu bringen, um ihn so schnell wie möglich zu befähigen, seine Probleme zu meistern und sein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen, ist Ziel der von mir entwickelten Kurztherapie.

Lelia Kühne de Haan, Leli@KuehneDeHaan.de